Kettwig Schleuse auf der Ruhr: Altstadtflair & Natur

Die Schleuse Kettwig ist ein bisschen unspektakulärer als der Wasserbahnhof. Sie ist werktags von 07:30h bis 16:30h in Betrieb, am Wochenende von 9 bis 12 und 13 bis 18h (im April und Oktober), im Sommer (Mai bis September) hingegen von 9 bis 14 und 15 bis 19h. Die Stunde Pause von 14 bis 15h sollte man insbesondere auf dem Rückweg berücksichtigen, denn wenn man erst um 15:15h in Kettwig wieder ´rauskommt, wird das ein langer Trip, sofern man noch bis zum Rhein und der nächsten Sliprampe möchte.

Kettwig (Schleuse und See) bei Openseamap: Kettwig

Schleuse Kettwig

Die Schleuse Kettwig ist ausschließlich telefonisch unter 02054-872180 zu erreichen. Auf der Talseite ist ein Wartesteg an der Nordostmauer – der ist aber am anderen Ende der Skala als „barrierefrei“, und der alte Treidelpfad oben nur durch eine lange Leiter zu erreichen. Da einen Kinderwagen oder auch nur einen Senior hinaufzufabrizieren, ist nicht trivial.

Schleuse Kettwig bei Wikipedia

In die Schleuse selbst fährt man durch ein duster anmutendes Tor, sie ist mit 41 x 6 Metern ähnlich kompakt wie bereits die am Wasserbahnhof – mit einem mit Vorrang geschleusten Fahrgastschiff ist die Bude voll. Die obligatorische Gebühr (2,50 bis 1,00 EUR je Boot, abhängig von der Anzahl der geschleusten Boote) entrichtet man in der Bergposition beim Schleusenwärter in seinem „Leitstand“ (Südwest-Schleusenmauer, dann durch die Tür in der Brücke). Mit sechs Meter Hub ist die Schleuse ein wenig höher als Mülheim.

Es gibt in der Bergposition im Kettwiger Stausee wenige Meter hinter der Schleuse am Nordostufer einen Anleger der Ausflugsdampfer, wo man kurz Gäste absetzen und aufnehmen kann – aber eben nur kurz. Der Stadtkern von Kettwig ist unmittelbar zu erreichen und verfügt über reichlich Gastronomie etc.: http://www.kettwig-today.de/

Auf der Rückfahrt gibt es keine echte Option, vor der Schleuse zu warten, außer Schleifen im Stausee zu drehen.

Kettwiger See

Der Kettwiger See birgt jedoch wieder eine kleine Herausforderung: die betonnte Fahrrinne (die von der Motorschifffahrt einzuhalten ist!) wechselt direkt hinter der Schleuse Kettwig die Seite, und man überquert diagonal den See, um dann in einer relativ scharfen Kurve nach Backbord unter der Eisenbahnbrücke (S-Bahn Essen-Düsseldorf) der Fahrrinne zu folgen. Hier wimmelt es gegebenenfalls von Tretbooten, die auf die Betonnung pfeifen und auch sonst eher respektlos (oder zumindest ahnungslos) unterwegs sind. Kommt dann noch ein Ausflugsdampfer dazu, der ebenfalls keine Verwandten kennt und für die scharfe Kurve gern mal die gesamte Fahrrinne in Anspruch nimmt, heißt es für uns Yachties mal wieder „weg hier!“. Die Geschwindigkeitsbegrenzung und die Tretboote schließen dabei meist aus, sich einfach mal in Gleitfahrt aus der Affäre zu ziehen. Also bitte sehr aufmerksam durch das Feindfeld schlängeln, bis man in der Fahrrinne auf der Südseite hinter der Eisenbahn angekommen ist.

Kettwig Stausee aus der Vogelperspektive

Kettwig Stausee aus der Vogelperspektive

Kettwiger See bei Wikipedia

Sliprampen in Kettwig

Im Kettwiger See gibt es am Südufer sogar eine kostenlose öffentliche Slipstelle (Slipstelle Kettwig) – die Zufahrt dazu ist allerdings sowohl land- als auch seeseitig eher abenteuerlich und für alles, das größer als ein Badeboot ist, anstrengend. Ich habe sie einmal von Land und auch einmal von der Seeseite angesehen und sie für uns (6,17m Bootslänge) ausgeschlossen. Auch auf der Talseite gibt es am Südwestufer eine Rampe, aufgrund der geringen Wassertiefe davor ist das aber nur etwas Paddelboote o.ä.

Kettwig Schleuse und See aus der Luft

Kettwig Schleuse und See aus der Luft

Übernachten

Ist man morgens auf dem Rhein losgefahren, wird es jetzt auch langsam Zeit, sich um einen Liegeplatz für die Nacht zu kümmern – im Baldeneysee, soviel sei vorweggenommen, geht das nämlich nicht. Noch in den Ausläufern des Kettwiger Sees gibt es am Südufer einen Campingplatz mit Liegeplätzen (wobei ich nicht weiß, ob es hier Gastliegeplätze gibt) und am Nordufer den Motorboot-Club Kettwig, der definitiv Liegeplätze an Gäste vergibt: Motorboot-Club Kettwig 1965 eV

Im weiteren Verlauf, im Strömungsschatten der kleinen Inseln am Südostufer, kann man auch „wild“ vor Anker übernachten, kommt dann allerdings nicht an Land (bzw. nur durch Schwimmen).

als Gastlieger im EOC zwischen Kettwig und Werden, gut 4km hinter der Schleuse Kettwig

als Gastlieger im EOC zwischen Kettwig und Werden, gut 4km hinter der Schleuse Kettwig

Einige wenige Kilometer weiter gibt es am Südufer mit dem Essener Outboard Club (EOC) eine weitere Liegestelle, die auch Gastlieger aufnimmt, allerdings gibt es hier außer einem gut besuchten Restaurant keine weitere Infrastruktur, und die WC-Anlagen des Clubs sind von limitierter Kapazität. Es gibt hier ein Angebot explizit an Elektroboote (die nachts aufladen wollen).

Steganlage des EOC - von Natur umgeben

Steganlage des EOC – von Natur umgeben

Danach kommt dann mit dem Baldeneysee die letzte Etappe: Schleuse Baldeney

Eine handliche Übersicht der Ruhr inkl. Kartenmaterial (Openstreetmap) und Details zu den Schleusen findest Du hier als Download (PDF, in DIN-A5 ausdruckbar).