Folie von der Seite schrittweise andrücken

Bootsnamen anbringen Schritt für Schritt

Wie schon einmal im Detail beschrieben, bedarf es bei Sportbooten mit Antriebsmaschinen ab 3 PS einer Kennzeichnung – z.B. durch den Bootsnamen. Ob diese nun aus dem (frei gewählten) Bootsnamen oder einer Buchstaben-Ziffern-Kombination besteht, hängt vom Fahrgebiet und der Art der Kennzeichnung ab – aber fast allen ist gemein, dass sie gut sichtbar ans Boot müssen. Wie das am besten geht, will ich hier kurz beschreiben.

Zumindest binnen ist festgelegt, dass das Kennzeichen “in mindestens 10 cm hohen Buchstaben und Ziffern dauerhaft in heller Farbe auf dunklem Grund oder dunkler Farbe auf hellem Grund außen an beiden Bug- oder Heckseiten oder am Spiegelheck des Kleinfahrzeugs anzubringen” ist (Quelle: Elwis). Alle vier Parameter machen viel Sinn:

  • mind. 10cm, damit es auch aus einer gewissen Entfernung lesbar ist,
  • dauerhaft, um selbstdefinierte “Wechselkennzeichen” oder sonstigen Unfug einzudämmen,
  • hell auf dunkel oder umgekehrt, damit man es lesen kann,
  • an beiden Bug- oder Heckseiten oder am Spiegelheck, es soll ja für Außenstehende lesbar sein

Nahezu alle Eigner entscheiden sich für eine Beschriftung mittels Folie. Das ist preiswert, haltbar, mit überschaubarem Aufwand montier- und demontierbar und gehorcht den Anforderungen problemlos. Nur an einem historischen Holzschiff würden sich aus Messing gegossene Buchstaben sicherlich besser machen als lieblose Plastikfolie …

Bootnamen resp. Kennung erstellen lassen

Der erste Schritt (nach Namensfindung und/oder Zulassung) ist es, den Namen produzieren zu lassen. Das Zauberwort ist “Folienplotter” – jeder Fahrzeugbeschrifter oder Ladenausstatter, aber auch die einschlägigen Bootszubehörhändler können den Schriftzug produzieren. Selbst im eBay tummeln sich reichlich Selbstständige, die auf Zuruf und für kleines Geld (unter 10 EUR) zwei Ausführungen des Namens in 10cm hoher Schrift plotten.

Aber bereits hier lauern die ersten Gefahren. Mit Bedacht zu wählen sind die Folienart, die Farbe und die Schriftart.

  • Folienart
    Die angebotenen Folien sind durch die Bank halbwegs UV-stabil mit einer Lebenserwartung von ca. sieben bis zehn Jahren, Spiegelfolien (die wg. der Kontrastanforderung für uns witzlos sind) und Folien mit Metallic-Effekt etwas weniger. Wichtig ist: beklebst Du ein Schlauchboot aus Hypalon, musst Du eine entsprechende Spezialfolie verwenden (lassen).
  • Farbe
    Ob schwarz, dunkelgrau oder anthrazit metallic auf weiß oder elfenbein auf dunkelblau – Hauptsache “hell auf dunkel” oder umgekehrt (s.o.). Folien gibt es nahezu in allen RAL-Farben, aber natürlich hat nicht jeder Lieferant alle Farben auf Lager. Und da die Folien auf großen Rollen kommen (und entsprechend teuer sind), wird er sich ggfs. auch nicht Deine Spezialfarbe nur für Dich anschaffen.
  • Schriftart
    Hier wird es mitunter schwierig. Die Schrift soll zum einen lesbar sein, zum anderen zum Bootstyp passen. Während zu einem Arbeitsboot eine nüchterne Schrift wie Arial Rounded oder Calibri passt (und an ein Badeboot die unsäglich abgerockte Comic Sans), braucht ein Speedboot oder ein Traditionssegler vielleicht etwas Spezielleres.
    Lange nicht alle Lieferanten können jede beliebige Windows-Schrift plotten, so dass die Auswahl oft nicht leicht fällt. Und in manchen (internationalen) Schriften gibt es keine Großbuchstaben oder gar Umlaute – da ist “MS Schoßhündchen” mal schwieriger als “DU-AB 1234”.
    Mit der Schriftart geht auch die Breite einher, was insbesondere wichtig ist, wenn der Name ans Spiegelheck soll. Für “MS Schoßhündchen” in Rockwell Extra Bold braucht’s doppelt so viel Breite im Vergleich zu Rockwell Condensed. Wer also an den Spiegel neben den Außenborder möchte, ist mit einer “Condensed”-Schrift besser beraten.

Gestalten mit dem Bootsnamen

Wer mag, kann sogar ein bisschen Gestaltung bei der Kennung mit einbringen:

weiße (!) Folie mit inversem Bootsnamen

weiße (!) Folie mit inversem Bootsnamen

Bootsname als Gestaltungsmerkmal - graue Folie

Bootsname als Gestaltungsmerkmal – graue Folie

Aber beachte, dass das Anbringen umso aufwändiger wird, je größer (und zusammenhängender) die Folie wird. Eine Handvoll Einzelbuchstaben lassen sich, auch wenn sie auf einer gemeinsamen Transferfolie daherkommen, signifikant einfacher anbringen als eine so große Folie wie an dem abgebildeten Wassermotorrad.

Farbe, Schriftart und Text festgelegt, bestellt, und wenige Tage später liegt die Folie in der Post.

Bootsnamen als geplottete Folie

Für die nächsten Schritte sollten wir kurz verstehen, wie das mit den Folien überhaupt funktioniert.

Die Folie wohnt von Haus aus auf einem (weißen, undurchsichtigen, beschichteten) Trägerpapier. Der eigentliche Folienklebstoff befindet sich zwischen Folie und Trägerpapier. Beim Plotten wird der Schriftzug mit einem sehr scharfen Messerchen von oben ausgeschnitten, weitgehend ohne das Trägerpapier zu verletzen. Dann wird die überschüssige Folie abgezogen und weggeworfen. Daher zählen für den Materialeinsatz auch nur die äußeren Abmessungen, wieviel Folie davon letztendlich übrigbleibt, ist egal.

Anschließend wird eine sogenannte Transferfolie aufgeklebt. Sie ist transparent, klebt an den Folienbuchstaben etwas weniger fest als jene am Trägerpapier und dient uns gleich zum Aufkleben. Wenn die Folie also vor Dir liegt, solltest Du die Schrift durch die Transferfolie lesen können. Ist sie spiegelverkehrt, taugt dieser Schriftzug nur dafür, von hinten hinter eine transparente Fläche (Scheibe o.ä.) geklebt zu werden.

Da die Folie und das Trägerpapier Wochen und Monate miteinander verbracht haben (seit Produktion der Folie) und die Transferfolie erst zum Schluss kurz dazugekommen ist (und außerdem nicht besonders fest halten soll), ist die Bindung zwischen Folie und Trägerpapier immer größer als zwischen Folie und Transferfolie. Das solltest Du für die nächsten Schritte im Hinterkopf halten.

Oberfläche für den Bootsnamen vorbereiten

Spätestens jetzt wird es Zeit, sich Gedanken zu machen, wo die Folie genau hin soll. Am besten pappst Du sie mit Tesafilm an den Wunschort und gehst mal ein paar Meter auf Distanz, um den optischen Eindruck zu testen (das geht am besten bei dunkler Schrift auf weißer Oberfläche, weil das Transferpapier immer weiß ist – hast Du weiße Schrift für einen dunklen Rumpf gewählt, brauchst Du jetzt ein bisschen mehr Phantasie):

Bootsnamen provisorisch mit Tesafilm angepappt

Bootsnamen provisorisch mit Tesafilm angepappt

Sofern es sich nicht gerade um ein Neuboot handelt, bist Du gut beraten, die zu beklebende Fläche jetzt einmal zu reinigen (vor allem: zu entfetten) – zum Beispiel mit sowas wie Metasco Metax BS1, ganz Mutige (je nach Lack / Gelcoat) mit einem flüchtigen Lappen Aceton oder auch mit einfachem Glasreiniger. Je sauberer die Oberfläche ist, desto länger hält der Bootsname hinterher.

Bootsnamen anbringen

Jetzt wird es Ernst. Fixiere den Schriftzug mit mehreren Tesafilmstreifen am Zielort:

Bootsname mit Tesafilm fixiert

Bootsname mit Tesafilm fixiert

(Natürlich ist es doof, dass ich auf diesen Bildern meine Kennung immer verschleiere, ich habe aber keine Lust darauf, dass mal jemand mit meiner echten Kennung, über die ja dank dieses Blogs einige Fakten bekannt sind, Unfug treibt.)

Dann ziehst Du an einer Seite das Trägerpapier von der Folie ab. Achtung, genau lesen: das Trägerpapier, also das hintere, weiße! Wenn Du Dich an den letzten Abschnitt erinnerst, wirst Du noch wissen, dass die Folie am Trägerpapier immer ein bisschen besser klebt als an der Transferfolie. Am besten knickst Du das Trägerpapier in sehr spitzem Winkel ab, ziehst langsam, und sobald der erste Buchstabenanfang vorbeikommt, hilfst Du ihm mit einer Messerspitze oder dem Fingernagel auf die Sprünge. Diesen ersten Buchstaben klebst Du dann an Ort und Stelle (von der Seite kommend) und drückst ihn mit einem Rakel oder einem Kunststoffspachtel, ggfs. auch einfach mit einem geknüllten Lappen an:

Folie von der Seite schrittweise andrücken

Folie von der Seite schrittweise andrücken

Ist der erste Buchstabe erstmal fest, kannst Du die Tesafilm-Fixierung abnehmen, denn die weitere Richtung ist ja jetzt festgelegt. Und so hangelst Du Dich durch den Rest: Trägerpapier abziehen, dabei den Buchstabenanfängen auf die Sprünge helfen, Schrift durch die Transferfolie hindurch andrücken:

Bootsnamen Buchstabe für Buchstabe andrücken

Bootsnamen Buchstabe für Buchstabe andrücken

Nacharbeiten

Zum Schluss können wir dann die Transferfolie abziehen. Da sie, wie eingangs erwähnt, weniger stark an den Buchstaben haftet als diese am Trägerpapier (resp. jetzt dem Boot), ist das kein Hexenwerk. Einfach im spitzen Winkel langsam ziehen:

Transferfolie abziehen

Transferfolie abziehen

Bei sehr großflächigen Schriften ist die größte Herausforderung, keine Luftblasen unter der Schrift einzuarbeiten. Passiert das trotzdem, kann man als ultima ratio mit einer Nadel ein Loch in die Folie stechen und mit dem Rakel alle Luftblasen der Umgebung zu diesem Luftloch schieben. Das muss aber bald passieren – der Kleber der Folie legt noch an Klebkraft nach!

Da Du eingangs die beklebten Flächen entfettet hast, hast Du auch etwaige Wachse, Konservierungen etc. mit abgenommen. Da würde ich jetzt nacharbeiten – ich habe konkret mit Metax BS1 gereinigt und dann wieder Certonal als Konservierer aufgetragen.

Mit ein bisschen Respekt vor dem Material und Verständnis für die Zusammenhänge ist es also nicht schwierig, den Bootsnamen, die Kennung oder auch sonstige Dekorfolien aufzubringen, und preiswerter, einfacher in der Verarbeitung und nahezu unbeschränkt in der Gestaltung im Vergleich zum Lackieren ist es allemal.

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